Hundehaltung und ihr Einfluss auf das Bewegungsverhalten des Menschen

Benedikt Hielscher

Benedikt Hielscher ist Masterabsolvent der Sportwissenschaft der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Fach Sportwissenschaft – Bewegung und Gesundheit und promoviert nun an der Deutschen Sporthochschule Köln. Ein besonderer Arbeitsschwerpunkt lag bereits in seiner Bachelor- und Masterarbeit auf der Fragestellung, inwieweit Hundehaltung einen Einfluss auf das Bewegungsverhalten des Menschen hat.

Einblicke in seine bisherigen Erkenntnisse hat er in einem Fachartikel zusammengetragen, der hier in Auszügen zu lesen ist. Der komplette Artikel unter Mitarbeit von Dr. Birgit Wallmann-Sperlich und Prof. Dr. Ingo Froboese inklusive aller wissenschaftlichen Verweise und Quellenangaben steht als PDF zum Download bereit.

Es ist Winter. Die Tage in Deutschland sind grau, kalt und verregnet. Draußen im Park gehen nur wenige Menschen spazieren. Wer in den Parks oder auf den Feldern in Deutschland um diese Jahreszeit auf Menschen trifft, wird diese häufig in Begleitung ihres Hundes Spazierengehen sehen.

Tatsächlich ist es auffällig, dass Hundehalter bei jedem Wetter unterwegs sind. So mancher Arzt gibt sogar den Hinweis, dass man sich einen Hund anschaffen solle, um sich mehr zu bewegen. Die Frage, welche sich aus sportwissenschaftlicher Sicht stellt ist, ob dem wirklich so ist. Sind Hundehalter tatsächlich aktiver als Nicht-Hundehalter?

Diese Frage ist noch nicht abschließend geklärt. Es gibt einige Arbeitsgruppen weltweit, die sich mit dem Thema auseinandersetzen. Diese sind vor allem im anglo-amerikanischen Raum zu finden. Für den deutschsprachigen Raum ist bislang nur sehr wenig bekannt.

Die Ergebnisse der oben genannten Arbeitsgruppen sind äußerst heterogen. Die Definition von regelmäßigen Spaziergängen erfolgt über die Zeit, die pro Woche bei Hundespaziergängen verbracht wird und reicht in den Untersuchungen von 10 Minuten bis hin zu 150 Minuten pro Woche. Der Anteil der Menschen, die mit ihrem Hund spazieren gehen liegt dann, je nach Studie, zwischen 10 und 73 %. In Bezug auf intensive körperliche Bewegung konnten bislang keine Unterschiede zwischen Menschen mit Hund und Menschen ohne Hund festgestellt werden. Insgesamt zeigt eine Vielzahl von Studien jedoch, dass Hundehalter, unabhängig von der Jahreszeit körperlich aktiver sind, als Nicht-Hundehalter. Zumindest ist die Benutzung von Parks für Spaziergänge bei Hundebesitzern über das Jahr verteilt gleich, während Menschen ohne Hund sich im Winter weniger in Parks aufhalten.

Dass das Bewegungsverhalten die Gesundheit beeinflusst ist mittlerweile weitgehend akzeptiert. Ob dies auch für Hundespaziergänge gilt ist weitgehend unbekannt. Was man bislang weiß, ist, dass Hundehalter zwar häufiger übergewichtig, aber seltener adipös sind als Nicht-Hundehalter. Besonders ältere Menschen scheinen vom Hundebesitz zu profitieren, wie eine schottische Studie zeigt. Hier zeigen Menschen mit einem Alter von mindestens 65 Jahren, dass sie eine höhere allgemeine Gesundheit und körperliche Funktion haben als Menschen ohne Hund. Gleiches zeigt eine kanadische Studie, in der vor allem Menschen mit sehr guter bis exzellenter Gesundheit mit dem Hund spazieren gehen.

Das Problem, welches bei fast allen Studien vorliegt, ist, dass sie keine Rückschlüsse auf das Ursache-Wirkungs-Prinzip zulassen. So ist es zwar spannend, dass Hundehalter häufiger gesund sind. Ob dies aber darauf zurückzuführen ist, dass sie mehr spazieren gehen oder ob sich gerade gesunde Menschen eher einen Hund anschaffen, ist bislang vollkommen offen. Ebenso ist wissenschaftlich nicht belegt, ob Hundebesitz tatsächlich dazu führt, dass Menschen sich mehr bewegen oder ob Menschen, die sich mehr bewegen, sich eher einen Hund anschaffen. Beide Ansätze sind plausibel und bedürfen weiterer Forschung. Eine jüngst veröffentlichte australische Studie geht der Frage nach, wie Hunde ihre Halter zur Bewegung motivieren. Aber auch diese Untersuchung lässt aus, ob der Hund tatsächlich ein ausschlaggebender Effekt für mehr Bewegung ist; es wird vorausgesetzt. Ebenfalls ist nicht bekannt, ob bestimmte Hunderassen das Bewegungsverhalten vielleicht stärker oder schwächer beeinflussen als andere.

Dies alles lässt ebenfalls Fragen hinsichtlich des Hundesports unbeantwortet. Allein der Begriff „Hundesport“ lässt einen großen Interpretationsspielraum offen, nämlich ob es sich um Sport mit Hund oder Sport für den Hund handelt. Hierzu ist international so gut wie nichts bekannt. Es findet sich nur die Aussage, dass Agility (eine Art Hindernisparcours für den Hund) ein ähnliches Verletzungsrisiko für den Menschen birgt, wie Langstreckenläufe. Darüber hinaus zeigt die Studie, dass sich Hundebesitzer im Agility meist nur leicht verletzten, adipöse Teilnehmer jedoch häufiger als normalgewichtige.

Und für Deutschland? Wie oben bereits angedeutet, liegen nur äußerst wenige Studien zu diesem Thema in Deutschland vor. Eine Arbeit zum Agility stellt fest, dass Agilityteilnehmer einige Vorteile in Bezug auf psychische Gesundheit und sich u.a. die Wahrnehmung der physischen Lebensqualität verbessert. Aber auch hier bleiben Ursache und Wirkung unklar. Zumal eine schwedische Studie, eine Ambivalenz zwischen Gesundheit und Haustierhaltung zeigt. Hier sind Haustierhalter seltener von chronischen, internistischen Erkrankungen betroffen, haben allerdings häufiger Schulter-, Nacken- und Kopfschmerzen als Nicht-Haustierhalter.

In Bezug auf das Spaziergangsverhalten mit und ohne Hunde ist in Deutschland feststellbar, dass Hundehalter pro Woche deutlich mehr spazieren gehen als Spaziergänger ohne Hund. Danach gehen in Deutschland ca. 98 % der Hundehalter mindestens einmal täglich mit ihrem Hund spazieren. Diese Zahl ist allerdings schwierig interpretierbar, da die Studie hauptsächlich Hundehalter während der Spaziergänge befragt hat. Während der Spaziergänge unterscheiden sich die Vorlieben von Hundehalter und Nicht-Hundehalter in Bezug auf die Lokalität, an der spazieren gegangen wird: So gehen Hundehalter lieber auf Wald- und Feldwegen spazieren, während Nicht-Hundehalter eher den Stadtpark bevorzugen. Dies könnte unter anderem an dem möglichen Konfliktpotential liegen, welches Hunde hervorrufen. So ist ein Freilauf von Hunden nicht überall gern gesehen und könnte Hundehalter dazu bringen, an weniger populäre Orte auszuweichen. Hier ergeben sich wiederum Probleme, die mit dem Naturschutz zusammenhängen können.

Alles in allem ist somit festzuhalten, dass vieles noch im Unklaren liegt und noch viel Forschungsbedarf besonders im Hinblick auf die gegenseitige Kausalität besteht.

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Kontakt:

benedikt.hielscher@gmx.de

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