Der Sport ist Impulsgeber der Politik

Der zweite „Gesundheits- und präventionspolitische Abend” des DOSB am Mittwoch (29. April) in Berlin präsentierte erfolgreiche Nebenwirkungen des ersten Treffens vor zwei Jahren.Damals war es eine gelungene Premiere. Und das Publikum erhoffte sich eine  dauerhafte, erfolgreiche Fortsetzung des „Gesundheits- und präventionspolitischen Abends”, den der DOSB erstmals eingerichtet hatte.

Alfons Hörmann präsentiert seinen Zuhörern die DOSB-Broschüre „Sport und Gesundheit“

Nun gab es die zweite Veranstaltung – wieder in Berlin –, die vor allem zeigte, dass sich harte Arbeit und intensiver Dialog lohnen. Was sich beim ersten Abend während der Podiumsdiskussion zwischen gesundheitspolitischen Sprechern und den Sportvertretern anbahnte, trägt jetzt Früchte: Damals versprachen u.a. Jens Spahn (CDU) und Karl Lauterbach (SPD), dass man dem Sport zur Anhörung des Präventionsgesetzes Gelegenheit geben werde, und nun ist der Sport als Partner im Gesetzentwurf aufgenommen. Das Gesetz, so die Parlamentarier, soll noch dieses Jahr verabschiedet werden und in Kraft treten.

Damit ist der erste Schritt getan, der schon in der Koalitionsvereinbarung der Bundesregierung unter dem Titel „Deutschlands Zukunft gestalten” angekündigt wurde. DOSB-Präsident Alfons Hörmann zitierte in seinem Grußwort den betreffenden Satz: „Sport wollen wir in eine ressortübergreifende, bewegungsförderliche Gesamtpolitik einbinden, weil Sport, Gesundheitsförderung und Prävention zusammen gehören.”

DOSB ein Eckpfeiler der Prävention

Zwar wurden in den letzten Jahrzehnten zwischen Bundesgesundheitsministerium und DSB/DOSB viele erfolgreiche Einzelprojekte umgesetzt, aber die Bedeutung des Sports im Bereich  Gesundheitspolitik  und Prävention von Seiten der Politik oft doch eher unterschätzt. Aber, so betonte Regina Kraushaar, Abteilungsleiterin für Pflegeversicherung und Prävention im Bundesgesundheitsministerium, die kurzfristig für ihren verhinderten Minister Herrmann Gröhe eingesprungen war: „Der Sport ist nicht nur ein wichtiger und zuverlässiger Partner, sondern auch ein wichtiger Impulsgeber der Politik geworden. Der DOSB ist das Aushängeschild für Bewegung und unbestritten ein Eckpfeiler in der Prävention.”

Über den Sport, so Kraushaar, könne man viele Menschen erreichen, die man sonst nicht erreichen würde. Und viele haben es mehr denn je nötig, ihren unbewegten oder mässig bewegten und auch ernährungstechnisch ungesunden Lebensstil zu verändern, das belegten jedenfalls viele Untersuchungen. Kraushaar verwies darauf, dass es lebensstilbedingte Erkrankungen ja nicht nur in der zweiten Lebenshälfte, also bei Älteren gibt, sondern dass erschreckender Weise schon viele Kinder und Jugendliche mit Zivilisationserkrankungen zu tun haben, weil sie sich zu wenig bewegen und viel Falsches essen. Auch bei älteren Menschen könne man mit entsprechenden vorbeugenden Maßnahmen dazu beitragen, dass sie auch im hohen Alter  noch  gesund und selbstbestimmt ihren Alltag bewältigen.

Bewegung ist das beste Medikament

Um erfolgreich Prävention umsetzen zu können, müsse man Lebenswirklichkeit und Lebenswelten der Bürger und Bürgerinnen berücksichtigen und dorthin gehen, wo sich die Menschen die meiste Zeit aufhalten: Kitas, Schulen, Quartiere, Arbeitsplatz oder Pflegeheim, empfahl Regina Kraushaar. Sie setzt auf Kooperation aller, vor allem auch der Ärzte, die mit dem „Rezept für Bewegung” Patienten überzeugen können, dass für sie das beste Medikament Bewegung an der frischen Luft ist.

Regina Kraushaar setzt u.a. auf die Kooperation
mit den Ärzten und das „Rezept für Bewegung”.

DOSB-Präsident Hörmann hatte einen von ihnen zitiert, nämlich Professor Wildor Hollmann. Er hat schon vor Jahrzehnten über die Vorzüge von regelmäßigem Sporttreiben gesagt: „Es gibt kein Medikament und keine Maßnahme, die einen vergleichbaren Effekt hat wie das körperliche Training. Gäbe es ein Medikament mit solchen hervorragenden Wirkungen und quasi ohne Nebenwirkungen, wäre jeder Arzt gehalten, es zu verschreiben.”

Fast jeder dritte Sportverein bietet gesundheitsfördernde Programme an

Hörmann verwies stolz darauf, dass rund 30 Prozent der Sportvereine heute  Programme im Bereich Gesundheitsförderung, Prävention und Rehabilitation anbieten. Oder dass in 98 DOSB-Mitgliedsorganisationen 660 Ausbildungsgänge  und Zusatzausbildungen zur Auswahl stehen und über 80.000 Übungsleiter-Lizenzen  im Bereich Prävention und Rehabilitation abgelegt wurden. Und natürlich mit „SPORT PRO GESUNDHEIT“ und „SPORT PRO FITNESS“ zwei anerkannte Qualitätssiegel garantieren, dass man im Verein in guten Händen ist.

Im Laufe der Jahre sind immer mehr Aufgaben auf den Sportverein zugekommen. Er hat sich ihrer mehr oder weniger freiwillig angenommen. Das Thema dieses Abends lautete: „Vereinssport im Spagat zwischen Sport und Gesundheitspolitik“. Darüber diskutierte dann eine Podiumsrunde, die von Franziska Schenk, der ehemaligen Eisschnellläuferin, geleitet wurde. Neben dem für Sportentwicklung  verantwortlichen DOSB-Vizepräsident Walter Schneeloch saßen die nordrhein-westfälische Familienministerin Ute Schäfer, die u.a. auch für Sport zuständig und zur Zeit Vorsitzende der Sportministerkonferenz ist, die Hamburger Senatorin für  Gesundheit und Verbraucherschutz Cornelia Prüfer-Storcks und Vorsitzende der Gesundheitsministerkonferenz und der CDU- Bundestagsabgeordnete Johannes Steiniger, Mitglied der Ausschüsse Sport und Gesundheit in der Runde.

Ein Präventionsgesetz ist der richtige Schritt

Auch in der Diskussion ging es in erster Linie um das Präventionsgesetz, das Senatorin Prüfer-Storcks als „riesigen Schritt in die richtige Richtung” sah und man sich „vier Anläufe für dieses Gesetz hätte gar nicht leisten dürfen.” Die Senatorin wie auch Ministerin Schäfer waren sich einig, dass man endlich auch ressortübergreifend arbeiten müsse.

Franziska Schenk (re.) moderierte die Podiumsrunde mit den Experten (v.li.):
Walter Schneeloch, Cornelia Prüfer-Storcks, Ute Schäfer, Johannes Steiniger

Schäfer: „Da sind Gesundheitspolitik, Sportpolitik, Stadtentwicklungspolitik und Bildungspolitik gefragt”. Das Präventionsgesetz und die Länderrahmenvereinbarung seien eine gute Grundlage, um das umzusetzen. Der Wille ist da, aber, so gab Steiniger zu bedenken, in der Praxis ist oft vieles anders. Beispiel: Sportunterricht, der immer noch unterbewertet wird. Der werde als erstes gestrichen, wenn mal wieder Lehrer fehlten. Schneeloch ergänzte, dass hier auch die Qualität  des Unterrichts nach wie vor zu bemängeln sei – ein Ärgernis seit Jahrzehnten, das sich sicher auch nicht von jetzt auf gleich beheben lässt.

Walter Schneeloch kam dann doch noch auf das eigentliche Thema, als er anmerkte, dass die Vereine in den letzten Jahrzehnten mit Aufgaben überfrachtet wurden, die mit ihrem eigentlichen Bereich – Sport treiben – nichts zu tun haben. Der Sportverein wird immer wieder als „Problemlöser” gesucht. Wenn nichts mehr geht, ist er eine Art Reparaturwerkstatt für alles. Überfordert, so Schneeloch, fühlen sich da schnell die Ehrenamtlichen, nicht nur zeitlich, sondern auch durch die zusätzlichen Aufgaben. Da müsse man schon das richtige Maß im Auge haben, und  die Vernetzung muss klappen, dass alle ihren Part übernehmen.

Ehrenamtliche in den Sportvereinen nicht überfordern

Übrigens: Zwei Argumente, warum der Deutsche Sportbund vor 65 Jahren gegründet wurde, waren die Verbesserung und der Erhalt der Volksgesundheit. Nach den Kriegsjahren stand es um die Gesundheit von Kindern und Erwachsenen nicht zum Besten. Wer in die DSB-Archive steigt, hat ein déjà-vu-Erlebnis. Viele Diskussionen könnten auch heute stattfinden.

Man hätte noch gerne mehr über den Spagat des Vereins zwischen Sport und Gesundheitspolitik erfahren. Das passiert sicher spätestens bei der dritten Folge des Gesundheits- und präventionspolitischen Abends mit einer hoffentlich weiteren Erfolgsgeschichte.

Die neue Broschüre „Sport und Gesundheit” zu diesem Thema können Interessierte über office@dosb.de beziehen.

(Autorin: Bianca Schreiber-Rietig, alle Fotos: Camera4)

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