„Goodbye Descartes” – Eindrücke der 17. Jahrestagung der dvs-Kommission Gesundheit in Erlangen

Erlangen-BegruessungEin Nachbericht von Frieder Krause und Jan Wilke, Goethe-Universität Frankfurt, Institut für Sportwissenschaften.

Vom 20.-22. November 2014 lud das Institut für Sportwissenschaft und Sport (ISS) der Friedrich-Alexander-Universität (FAU) Erlangen-Nürnberg unter der Leitung von Prof. Dr. Klaus Pfeifer, Prof. Dr. Alfred Rütten und Prof. Dr. Ralf Sygusch zur 17. Jahrestagung der dvs-Kommission Gesundheit nach Erlangen ein. Die dreitägige Veranstaltung beleuchtete unter dem Motto „Kompetenzen in Gesundheit und Bewegung“ aktuelle Entwicklungen und bot eine Plattform für einen offenen, fächerübergreifenden Austausch.

Nach den offiziellen Grußworten des Oberbürgermeisters der Stadt Erlangen, Dr. Florian Janik, des Vizepräsidenten der FAU, Prof. Dr. Joachim Hornegger, sowie den aus dem Bundesministerium für Gesundheit übermittelten Grüßen der leider verhinderten Dr. Ute Winkler lieferten die Professoren Pfeifer, Sygusch und Sudeck in einem gemeinsamen Dreiklang aus verschiedenen Perspektiven der empirischen Bildungsforschung die Einführung in das Tagungsthema.

Der interdisziplinäre, themenübergreifende Ansatz spiegelte sich ebenfalls in den drei hochkarätigen Hauptvorträgen wider, die aus mehreren Blickwinkeln die Facetten des Tagungsmottos „Kompetenzen in Gesundheit und Bewegung“ beleuchteten.

Erlangen-HauptvortragDer erste, philosophisch geprägte Plenarvortrag von Prof. Dr. Margaret Whitehead (University of Bedfordshire, England) beschäftigte sich mit dem Konzept der „Physical Literacy“: der Disposition, die körpereigenen Fähigkeiten im Rahmen der lebenslangen Partizipation an einem aktiven Lebensstil zu nutzen. Der zweite Plenarvortrag von Dr. Annika Frahsa und Dr. Peter Gelius (beide von der gastgebenden Universität FAU) eröffnete mit dem Titel „Kompetenzen, Kapazitäten und Handlungsmöglichkeiten in der Gesundheitsförderung“ thematisch passend den zweiten Kongresstag, während der dritte Hauptvortrag von Prof. Dr. Ansgar Thiel (Institut für Sportwissenschaft, Universität Tübingen) den Kongress am Samstagmittag unter dem Motto „Gesundheitskompetenz im Leistungssport“ thematisch abrundete.

Das wissenschaftliche Programm, organisiert in 15 Arbeitskreisen, bildete dem Tagungsmotto entsprechend ein breites Spektrum der sportwissenschaftlichen Forschung ab. Mit 52 Kurzvorträgen und acht Posterpräsentationen bot sich den insgesamt etwa 170 Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein mannigfaltiges Themenfeld aktueller und relevanter Forschungsarbeiten zu Themen wie Gesundheitskompetenz von Schülerinnen und Schülern, Bewegungsinterventionen in der Onkologie oder Gesundheitsforschung und Gesundheitsökonomie.

Das an die Veranstaltung angegliErlangen-Ergebnis-Workshopederte DVGS-Hochschulvertretertreffen zeigte die aktive Einbindung kooperierender Fachverbände genau wie die- als Herzstück in das Programm integrierten – interprofessionellen Workshops mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Dieses neuartige Workshopformat gab den Beteiligten erstmals die Möglichkeit, die Themen „Bildung, Sport und Gesundheit“, „Bewegung im Gesundheitssystem“ und „Public Health und Bewegung in der Kommune“ an kurze Impulsreferate anschließend aktiv mit zu gestalten. Die Ergebnisse der drei gut besuchten Workshops wurden am folgenden Morgen im Plenum zusammengefasst und diskutiert.

Zum Abschluss der Veranstaltung wurde unter allen vom wissenschaftlichen Nachwuchs eingereichten Beiträgen der von der Siemens Betriebskrankenkasse gestiftete Young Investigator Award vergeben. Der ersten Preis ging an Vera Molinari von der Universität Bern und ihren Beitrag „Das Kompetenzerleben und sportbezogene Ziele als Erklärungsgrößen für Befindlichkeitsveränderungen während Sportaktivitäten im höheren Erwachsenenalter“. Neben dem Preisgeld erhält die Preisträgerin die Möglichkeit Ihren Beitrag in der B&G zu veröffentlichen. Die beiden zweiten Preise erhielten Anette Rauner (Karlsruher Institut für Technologie) und Dennis Hamacher (Otto von Guericke Universität Magdeburg).

Das engagierte Organisationsteam sorgte für eine zu allen Zeiten angenehme Tagungsatmosphäre. Die gesamte Organisation der Tagung sowie die Verpflegung innerhalb der Kaffee- und Mittagspausen bleiben den Teilnehmern mit Sicherheit in guter Erinnerung. Ebenfalls das Rahmenprogramm mit einer überaus interessanten und unterhaltsamen Nachtwächterführung durch das frühwinterliche Erlangen sowie die Abendveranstaltung, gespickt mit atemberaubenden akrobatischen Einlagen, boten Gelegenheit zum fachlichen als auch persönlichen Austausch.Erlangen-Abendveranstaltung

In diesem Sinne kann man sich bereits auf den Hochschultag der dvs freuen, der im kommenden Jahr vom 29. September bis 02. Oktober 2015 in Mainz stattfinden wird und unter dem Motto „Moving (Sport) Minds – Crossing (Science) Boundaries“ steht. Als größte Tagung der Sportwissenschaft findet der Hochschultag der dvs alle zwei Jahre statt.

Dieser Artikel ist erschienen in der Ausgabe 1.2015 der Zeitschrift B&G, Bewegungstherapie und Gesundheitssport. Die Zeitschrift ist das offizielle Organ des Deutschen Verband für Gesundheitssport und Sporttherapie (DVGS) e.V. und beinhaltet als festen Bestandteil je Ausgabe einen Artikel in der Rubrik Sportwissenschaft. Alle dort erscheinenden Artikel stellt die dvs-Kommission Gesundheit im Rahmen der Kooperation mit der DVGS zur Verfügung.

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