Leipziger Studie untersucht Effekte von Kraft- bzw. Ausdauertraining bei adipösen Kindern

Am Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) der Universität Leipzig läuft aktuell eine Studie, die die Wirkung von Kraft- bzw. Ausdauertraining bei  Kindern und Jugendlichen mit Adipositaserkrankung erforscht.

„Wir sehen″, so Dr. Susann Blüher, Leiterin der Studie, „dass die Anzahl der adipösen Kinder und Jugendlichen in Deutschland leider weiterhin sehr hoch ist. Die Steigerung der körperlichen Aktivität nimmt in der Therapie der Adipositas einen zentralen Stellenwert ein. Bislang wissen wir jedoch noch nicht,  welche  Intervention  in Hinblick auf Reduktion von metabolischen oder anderen Risikofaktoren bzw.  Begleiterkrankungen die besten Erfolge bringt. Aus der Erwachsenenmedizin gibt es erste Hinweise, dass Ausdauer- bzw. Krafttraining sich unterschiedlich auf die Körperfett-Verteilungsmuster und metabolische Risiko-Parameter auswirken. Aus dem Kinder- und Jugendbereich gibt es dagegen bislang kaum valide Daten.”

Um dies zu ändern, läuft nun die auf ein Jahr angesetzte Studie. Sie findet im Rahmen eines vom Medizinischen Dienst der Kassen (MDK) und der Arbeitsgemeinschaft für Adipositas im Kindesalter (AGA) bereits zertifizierten und anerkannten Therapie-Programms statt, das in Leipzig angeboten wird. Es handelt sich um ein einjähriges Programm für fettleibige Kinder im Alter von 8 bis 18 Jahren. Die Kinder erhalten ein standardisiertes Lifestyle-Programm. Dazu gehören pro Woche 150 Minuten Sport, aufgeteilt auf 3 Einheiten sowie Ernährungsschulung,  psychologische Begleitung und medizinische Betreuung.

„Wir wollen untersuchen”, so Dr. Blüher, „welche Sportmodalität, also Kraft oder Ausdauer sich günstiger auswirkt auf den Gewichtstatus, auf das Fettverteilungsmuster und auf metabolische und weitere Risikofaktoren.”

Die im Erwachsenenbereich bereits vorliegenden Studien belegen die unterschiedlichen Einflüsse von Kraft- bzw. Ausdauertraining auf den Körpermassenindex, die Insulin-Resistenz sowie den Fettstoffwechsel. All dies sind Marker des metabolischen Syndroms.
Als Ergebnis der Studien mit Erwachsenen stellte sich heraus, dass beide Trainingsformen positive Effekte auf die Risiko-Faktoren hatten, wobei Krafttraining sich günstiger auswirkte, da mehr Muskelmasse zu einer höheren Fettverbrennung führt. Inwieweit diese Effekte auch bei Kindern und Jugendlichen auftreten, soll nun durch die Studie geklärt werden.

Das Studiendesign ist randomisiert kontrolliert. Hierbei werden die Kinder in eine der beiden Trainingsgruppen oder eine Kontrollgruppe  randomisiert und erhalten ein Jahr lang pro Woche 60 Minuten ein definiertes Kraft- bzw. Ausdauertraining im Gesundheitssportverein Leipzig – das Krafttraining sogar an speziellen Geräten für Kinder von 1,20 bis 1,60 m. Die restlichen 90 Minuten der für Sport reservierten Zeit sind für andere Bewegungsangebote entsprechend des regulären Konzepts bestimmt. Ziel ist es sicherzustellen, dass sich die Kinder in dieser Zeit aktiv bewegen.

Das in Leipzig angebotene Therapie-Programm unter dem Namen KLAKS existiert bereits seit 2007 und gehört zu den wenigen Angeboten in Deutschland, die vom MDK (Medizinischer Dienst der Kassen) zertifiziert sind, d.h. die Kosten werden von der Krankenkasse übernommen. Voraussetzung dafür ist eine Teilnahme von mind. 80% innerhalb des einjährigen Programms. Um den nachhaltigen Erfolg sicherzustellen, sind die Eltern verpflichtend mit in das Programm eingebunden. Neben den Schulungsterminen für sie gibt es im Rahmen des Projekts auch Familien-Events mit aktiven Bewegungsangeboten.

Insgesamt sollen im Rahmen der Leipziger Studie 60 Kinder getestet werden, wobei eine annähernd gleiche Verteilung in Bezug auf das Geschlecht erzielt werden soll. 55 Kinder konnten bereits in die Studie eingeschlossen werden.  Zu Beginn werden zur Dokumentation der Ausgangssituation eine Reihe von Daten aufgenommen, darunter Parameter zur Leistungsfähigkeit in den Bereichen Kraft und Ausdauer. Ebenso erfolgt eine psychologische Untersuchung, um eine Essstörung auszuschließen. Weiterhin werden zu Beginn und Ende Größe und Gewicht und weitere anthropometrische Parameter festgehalten, es erfolgen klinische Untersuchungen, sowie eine Nüchternblutentnahme, um die wesentlichen metabolischen Risikofaktoren zu bestimmen.

Als Kontrollgruppe werden die Teilnehmer des regulären Programms herangezogen. Dies führt zwar zu Ungenauigkeiten, jedoch ist es nachvollziehbar, dass aus ethischen Gründen adipösen Kindern die Teilnahme an einem Therapie- bzw. Bewegungsprogramm nicht untersagt werden kann.

In Bezug auf das Ausdauerprogramm erfolgt die Steuerung der Trainingsintensität mittels Herzfrequenzmonitoring. Hierfür werden die von Polar zur Verfügung gestellten Trainingscomputer genutzt.

Die Studie ist zunächst als Machbarkeitsstudie angelegt, bei der es primär um die Akzeptanz in Bezug auf das angebotene Kraft- bzw. Ausdauertraining geht, wobei bereits alle anderen Parameter erfasst werden. Ziel ist, dass sich daraus eine Effektivitätsstudie entwickeln lässt, über deren Ergebnisse nach Abschluss in dieser Rubrik berichtet wird.

Kontakt
Universität Leipzig
Integriertes Forschungs- und Behandlungszentrum (IFB) AdipositasErkrankungen
PD Dr. Susann Blüher
E-Mail: susann.blueher@medizin.uni-leipzig.de
Telefon: 0341 – 97 25 035
Weitere Informationen zum Therapie-Programm KLAKS: http://www.klaks.de/index.php/therapie

 

Fotos der Studie (adipöse Kinder bei Kraft- bzw. Ausdauertraining)
erstellt durch Waltraud Grubitzschw

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